Hauptseite Außenhandel Kennzeichnung von Waren Russland führt digitale Kennzeichnungspflicht für Schuhe ein

Russland führt digitale Kennzeichnungspflicht für Schuhe ein

In Russland beginnt am 1. März 2020 die digitale Kennzeichnungspflicht für Schuhe. Dies bedeutet viel Arbeit für deutsche Hersteller und Exporteure. Das ist zu beachten.

Von Gerit Schulze | Moskau

Für Hersteller und Händler von Schuhen auf dem russischen Markt wird es ernst. Ab 1. März 2020 dürfen im Einzelhandel nur noch Schuhe verkauft werden, die einen DataMatrix-Code (2D-Code) tragen. Spätestens bis zum 1. Mai 2020 müssen alle Lagerbestände digital markiert sein.

Bereits seit 30. September 2019 sollen sich Inverkehrbringer von Schuhen im staatlichen Kennzeichnungs- und Überwachungssystem für den Warenumsatz „Chestny ZNAK“ (https://chestnyznak.ru) registrieren – und zwar innerhalb von sieben Tagen nach Beginn ihrer Geschäftstätigkeit. 

Betreiber des Track&Trace-Systems „Chestny ZNAK“ ist das halbstaatliche Zentrum für die Entwicklung fortschrittlicher Technologien (CRPT). 

Rechtsgrundlagen zur Kennzeichnungspflicht für Schuhe

Welche Schuhe unterliegen der Kennzeichnungspflicht?

ZolltarifnummerBeschreibung
6401Schuhe, wasserdicht, mit Laufsohlen und Oberteil aus Kautschuk oder Kunststoff, bei denen weder das Oberteil mit der Laufsohle noch das Oberteil selbst, durch Nähen, Nieten, Nageln, Schrauben, Stecken oder ähnliche Verfahren zusammengefügt ist (ausgenommen orthopädische Schuhe, Schuhe mit Spielzeugcharakter, Schuhe mit fest angebrachten Schlittschuhen, Schienbeinschützer und ähnliche Sportschutzausrüstungen)
6402Schuhe mit Laufsohlen und Oberteil aus Kautschuk oder Kunststoff (ausgenommen wasserdichte Schuhe der HS-Position 6401, orthopädische Schuhe, Schuhe mit fest angebrachten Schlittschuhen oder Rollschuhen, Schuhe mit Spielzeugcharakter)
6403Schuhe mit Laufsohlen aus Kautschuk, Kunststoff, Leder oder rekonstituiertem Leder und Oberteil aus Leder (ausgenommen orthopädische Schuhe, Schuhe mit fest angebrachten Schlittschuhen oder Rollschuhen; Schuhe mit Spielzeugcharakter)
6404Schuhe mit Laufsohlen aus Kautschuk, Kunststoff, Leder oder rekonstituiertem Leder und Oberteil aus Spinnstoffen (ausgenommen Schuhe, die den Charakter von Spielzeug haben)
6405Schuhe mit Laufsohlen aus Kautschuk oder Kunststoff und Oberteil aus anderen Stoffen als Kautschuk, Kunststoff, Leder oder Spinnstoffen; Schuhe mit Laufsohlen aus Leder oder rekonstituiertem Leder und mit Oberteil aus anderen Stoffen als Leder oder Spinnstoffen; Schuhe mit Laufsohlen aus Holz, Kork, Schnüren, Pappe, Pelzfellen, Geweben, Filz, Vliesstoff, Linoleum, Raffia, Stroh, Luffa und so weiter und Oberteil aus beliebigen Stoffen, anderweitig nicht genannt

Waren für Industriekunden müssen nicht gekennzeichnet werden, wenn diese nicht über den Groß- oder Einzelhandel verkauft, sondern direkt an den Geschäftskunden geliefert werden („передача товара юр.лицу для собственных нужд“). Beispiel: Arbeitsschuhe für einen Industriebetrieb. Der Hersteller muss dann den Vertrag mit dem Endkunden beim Zoll vorlegen.

Quelle: Regierungsverordnung Nr. 792-r vom 28. April 2018

Welche Fristen sind für die Kennzeichnung von Schuhen zu beachten?

seit 1. Juli 2019Registrierung der Händler und Hersteller von Schuhen im Monitoringsystem "Chestny ZNAK"
seit 1. Oktober 2019freiwillige Kennzeichnung, Vergabe von DataMatrix-Codes, Kennzeichnung von Lagerbeständen
ab 1. März 2020Verkaufsverbot für nicht gekennzeichnete Schuhe!
bis 1. April 2020Import von Waren ohne Kennzeichnung, wenn diese vor dem 1. März 2020 bestellt wurden
bis 1. Mai 2020Kennzeichnung der Restbestände, die vor dem 1. März 2020 produziert oder bestellt wurden
Quelle: Track&Trace-System "Chestny ZNAK"

Wer ist an der Kennzeichnung beteiligt?

  • Schuhhersteller
  • Importeure
  • Großhändler und Einzelhändler

Wer kann die Kennzeichnung vornehmen?

Die Kennzeichnung der Schuhe kann der Hersteller, ein Importeur, ein Großhändler oder der Einzelhändler vornehmen. 

Deutsche Unternehmen, die eine Tochtergesellschaft oder Repräsentanz in Russland haben, können sich über ihre juristische Person russischen Rechts beim System „Chestny ZNAK“ anmelden und dann die DataMatrix-Codes beantragen.

Deutschen Unternehmen ohne offizielle Vertretung in Russland bleibt nur die Suche nach einem russischen Dienstleister (Importeur), der die DataMatrix-Codes beim Systembetreiber beantragt und an den deutschen Hersteller weiterleitet. Hier ist auf eine sorgfältige Auswahl des Geschäftspartners zu achten, denn er bekommt auf diese Weise Zugang zu sensiblen Informationen wie Modellreihen, Absatzmengen und Preisen.

Alternativ können die Produkte auch von den Distributoren oder den Handelsketten gelabelt werden. Der russische Modehändler LaModa (mit deutschem Management) nutzt ein Logistikzentrum im lettischen Riga, um dort die Schuhkartons für den russischen Markt mit DataMatrix-Codes zu kennzeichnen.

Wenn Ihre Firma die Kennzeichnung über einen Dienstleister/Importeur abwickeln will, ist es wichtig, diesem die Handelsrechnungen – in der in Russland vorgeschriebenen Form – im Excel-Format (CSV, XML; nicht als pdf-Datei) zur Verfügung zu stellen. Die Übersetzung der Angaben auf der Handelsrechnung ins Russische muss sprachlich und zolltechnisch korrekt sein. Empfehlenswert ist: der Hersteller sendet die Angaben aus der Handelsrechnung an seinen Zollagenten, dieser prüft alles und schickt die geprüfte Datei zurück an den Hersteller. Danach übermittelt der Hersteller die geprüfte Handelsrechnung an den Dienstleister oder Importeur, der dann die DataMatrix-Codes beim System „Chestny ZNAK“ beantragt.

Um bei großen Warenmengen den gesamten Kennzeichnungsprozess zeitlich nach vorn zu verlegen, sollte das Warensortiment vorab zwischen Hersteller und Importeur abgestimmt werden. Dazu benötigt der Importeur die Masterdatei für die gesamte Kollektion oder die Kundenbestellungen mit allen erforderlichen Angaben (GTIN/EAN-Nummern, Zolltarifnummern, Warenbeschreibung, Warenmenge etc.). Das Vorhandensein von GTIN/EAN-Nummern beim deutschen Hersteller erleichtert den Prozess erheblich. Aus der GTIN des deutschen Herstellers kann der Dienstleister/Importeur eine russische GTIN bilden. 

Für einen reibungslosen Prozess der Etikettierung der Ware sind die Handelsrechnung im Excel-Format, die GTIN/EAN-Nummern des Herstellers oder Lieferanten und die getrennte Verpackung der kennzeichnungspflichtigen Ware (von anderen, nicht-kennzeichnungspflichtigen Waren) zwingend erforderlich. Sollte der Hersteller oder Lieferant dies nicht gewährleisten, erfolgt der Etikettierungsprozess manuell, was kostenintensiv und fehleranfällig ist.

Wann muss die Kennzeichnung erfolgen?

Bei Waren, die in Russland hergestellt werden, soll die Kennzeichnung möglichst schon bei der Produktion angebracht werden, ansonsten danach im Warenlager. Bei importierten Waren kann dies später geschehen, auf jeden Fall jedoch vor Beginn der Zollkontrolle! 

Die Waren sind also zu kennzeichnen, bevor sie beim Bestimmungszollamt in Russland dem Zollverfahren für die Einfuhr unterzogen werden. Dies ist auf drei Arten möglich:

– am Produktionsstandort vor dem Versand von Waren nach Russland;

– an verschiedenen Orten auf dem Weg nach Russland, z.B. in Konsolidierungslagern in Europa (etwa Polen, Lettland, Litauen);

– an Zoll- und Logistikterminals von privaten Betreiberfirmen in der Nähe der russischen Grenze.

Bei kleineren Warenpartien wollen die Behörden eine Kennzeichnung im Zolllager tolerieren, jedoch nur in Ausnahmefällen, heißt es aus Verwaltungskreisen.

Waren aus anderen Ländern der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), die also keiner Zollkontrolle unterliegen, müssen vor dem faktischen Überschreiten der russischen Staatsgrenze gekennzeichnet sein.

Wie können Unternehmen am Kennzeichnungsverfahren teilnehmen?

  • beim für die Ausgabe der russischen GTIN-Nummern zuständigen Verband „GS1 RUS“ anmelden (Kosten: einmalige Beitrittsgebühr 25.000 Rubel, Gebühr für die jährliche Verlängerung 15.000 Rubel, Stand: Februar 2020)
  • Verschlüsselte digitale Signatur EDS (elektronische Unterschrift) bei einer akkreditierten russischen Zertifizierungsstelle beantragen. Das sind aktuell rund 500 Organisationen.
  • Browser-Plugins zur Verschlüsselung einrichten: Cryptopro oder Rutoken
  • IT-Sicherheit prüfen und abgesicherten, verschlüsselten VPN-Channel installieren (Hardware- & Software-Sicherheitstools)
  • Persönliches Konto bei Chestny ZNAK einrichten (https://markirovka.crpt.ru/register)
  • Vertrag mit CPRT, dem Betreiber des Kennzeichnungssystems, abschließen
  • die Einstellungen erhalten und das Code-Empfangsgerät anmelden
  • Zugang zum Code-Generator bei Chestny ZNAK einrichten

Bitte beachten Sie die „Instruktionen zur Arbeit im System“ und die „Beschreibung der API-Protokolle“ (Beschreibung API.v2.2.0, Schreibalgorithmus für Tags 1162) von Chestny ZNAK. Detaillierte Informationen bietet der Systembetreiber „Chestny ZNAK“ auf seiner Webseite in Russisch und in Englisch (Obacht: Die englische Fassung ist gekürzt).

Welche Hardware ist nötig?

  • Etikettendrucker, der den Anforderungen des Betreibers CRPT des Systems „Chestny ZNAK“ entspricht
  • 2D-Barcode-Scanner zum Lesen der DataMatrix-Codes
  • Speicherplatz für die Datensätze, die an CRPT übertragen und von dort empfangen werden
  • leistungsfähige Videokameras zur Dokumentation der Kennzeichnung (zu Nachweiszwecken), die auch die Umverpackungskartons und die Paletten aufnehmen können (auf denen ebenfalls jeweils der DataMatrix-Code anzubringen ist)

Hat sich ein Teilnehmer am Warenverkehr (Inverkehrbringer der Ware) beim Kennzeichnungssystem registriert, muss er innerhalb von 30 Kalendertagen seine Hard- und Software soweit vorbereitet haben, damit Chestny ZNAK einen Testlauf für die digitale Kommunikation durchführen kann.

Um DataMatrix-Codes vom Systembetreiber zu bekommen, ist nach erfolgreicher Registrierung ein Antrag bei Chestny ZNAK zu stellen.

Wer ist für die Registrierung von Waren im Track&Trace-System „Chestny ZNAK“ und im „Nationalen Katalog“ zuständig?

Vor Beantragung der DataMatrix-Codes muss die Ware im Track&Trace-System „Chestny ZNAK“ registriert werden. Dafür ist zuständig:

  • Bei Waren, die auf dem Gebiet der Russischen Föderation produziert wurden: der Produzent (inklusive Auftragsfertiger)
  • Bei Produktion der Ware außerhalb der Russischen Föderation: der Importeur. Die Registrierung der Ware muss vor dem Grenzübertritt erfolgen!
  • Bei Waren, die von natürlichen Personen ohne Unternehmerstatus übernommen wurden (Beispiel: Handarbeitsgewebe) und in Umlauf gebracht werden sollen: der Kommissionierer
  • Bei im Rahmen des Verbraucherrechts zurückgegebenen Waren: der Einzelhändler
  • Bei Waren, die ursprünglich von juristischen Personen oder Einzelunternehmern nicht mit dem Ziel gekauft wurden, sie in den Handel zu bringen, dann aber zurückgegeben wurden: der für die Rücknahme zuständige Händler
  • Bei Waren, die bei einem Händler noch vor Beginn der Kennzeichnungspflicht eingegangen sind: der Händler, der diese Waren in Umlauf bringen wird

Welche Informationen sind für die Registrierung einer Ware im System „Chestny ZNAK“ anzugeben?

Schuhe:

  • Steueridentifikationsnummer (INN) des Inverkehrbringers
  • Warencode (sofern vorhanden; Global Trade Item Number – GTIN laut GS1 RUS; siehe Instruktion „Beschreibung der Waren im Katalog“)
  • Vierstelliger Code der Warenuntergruppe gemäß der einheitlichen Warennomenklatur für den Außenhandel der Eurasischen Wirtschaftsunion (TN VED EAES)
  • Nummer des Technischen Reglements (Standards)
  • Herstellungsland (gemäß der russischen Länderklassifikation)
  • Warenbezeichnung, die auf dem Etikett oder Anhänger steht
  • Beschreibung des Aussehens der Ware
  • Geschlecht der Zielgruppe (Damen, Mädchen; Herren, Knaben; Unisex)
  • Verwendete Materialien
  • Farbe, Größe, Modellbezeichnung
  • Warenzeichen (sofern vorhanden)

Bei unmarkierten Waren, die beim Händler vor Beginn der Pflichtkennzeichnung eingegangen sind, müssen weniger Angaben gemacht werden. Hier genügen die Steueridentifikationsnummer, der Warencode und das Warenzeichen (sofern vorhanden), ein zweistelliger Code der Warennomenklatur sowie das Zielgeschlecht und die Alterskategorie. Außerdem muss angegeben werden, ob die Ware in Russland produziert oder dorthin importiert wurde.

Ist der Antrag auf Registrierung der Ware im System korrekt eingegangen, muss der Betreiber CRPT des Systems „Chestny ZNAK“ innerhalb von drei Werktagen die Registrierung vornehmen.

Eintragung im Nationalen Warenkatalog erforderlich

Zu empfehlen ist die Nutzung des neuen Nationalen Katalogs der markierten Waren in der Russischen Föderation. Dort können Hersteller ihre Produktbeschreibungen (mit Fotos) hinterlegen, die von Distributoren und Händlern für die Beantragung der Kennzeichnungscodes benötigt werden. In dieser Datenbank sollen bis Ende 2024 alle auf dem russischen Markt zu verkaufenden Konsumgüter erfasst sein. Betreiber des Katalogs ist ebenfalls CRPT. Anfang Februar 2020 waren in dem Verzeichnis rund 120 Schuhmodelle registriert, meist von russischen Herstellern.

Welche Informationen enthält der DataMatrix-Code?

Der DataMatrix-Code (2D-Code, QR-Code) besteht aus vier Zifferngruppen:

  • 1. Produktcode, 14 numerische Zeichen (14stellige Global Trade Item Number / GTIN vom GS1 RUS-System)
  • 2. Individuelle Seriennummer einer Wareneinheit, die vom Systembetreiber oder Teilnehmer am Warenumsatz generiert wird, 13 Zeichen
  • 3. Prüfschlüssel, 4 Zeichen
  • 4. Prüf- bzw. Bestätigungscode, 88 Zeichen

Aufbau des DataMatrix-Codes im Detail:

  • 1. Gruppe: beginnt mit der Zahlenfolge 01, danach die 14stellige Global Trade Item Number (GTIN) vom , die vom Systembetreiber „Chestny ZNAK“ anhand der übermittelten Daten generiert wird.
  • 2. Gruppe: beginnt mit der Zahlenfolge 21, danach folgt die Seriennummer aus 13 Zeichen (Ziffern, lateinische Klein und Großbuchstaben, Sonderzeichen). Diese Zeichen werden vom Systembetreiber generiert oder vom Inverkehrbringer des Produkts (z.B. Importeur). Am Ende der Gruppe steht ein Trennzeichen des ASCII-Codes 29.
  • 3. Gruppe: beginnt mit der Zahlenfolge 91, danach folgt ein vom Systembetreiber CRPT erzeugter Prüfschlüssel aus vier Zeichen. Am Ende der Gruppe steht ein Trennzeichen des ASCIICodes 29.
  • 4. Gruppe: beginnt mit der Zahlenfolge 92, danach folgen 44 Zeichen (Ziffern, lateinische Klein und Großbuchstaben, Sonderzeichen), die vom Systembetreiber als Prüfcode generiert werden.

GTIN – Global Trade Identification Number für Waren, die vom GS1 Rus-System vergeben wird, basierend auf Informationen, die vom Hersteller übermittelt wurden

Seriennummer – die individuelle Seriennummer eines Warenartikels (zufällig vom Importeur generiert)

Prüfcode – Reihenfolge von Zahlen und Buchstaben; basiert auf den Daten des Markierungscodes und dem kryptografischen Schlüssel; vom Betreiber CPRT gegen Gebühr zur Verfügung gestellt

Die Details zur Codierung und Identifizierung über DataMatrix-Codes sind in der russischen Norm GOST R ISO/IEC 16022-2008 beschrieben.

Diese Produktdaten sind erforderlich, um eine GTIN zu erhalten (den ersten Teil des DataMatrix-Codes):

  • Artikelnummer des Herstellers oder Lieferanten
  • Modell(bezeichnung) des Herstellers
  • Produktname auf dem Etikett
  • Markenname (Brand, Trademark)
  • Steueridentifikationsnummer (INN) des Herstellers oder Importeurs
  • Art der Schuhe
  • Obermaterial
  • Material für das Futter
  • Material für die Sohle
  • Herstellungsland – kein Pflichtparameter
  • Farbe des Artikels – kein Pflichtparameter
  • Größe im Stichmass-System – kein Pflichtparameter

Was kosten die DataMatrix-Codes?

Das Zentrum für die Entwicklung fortschrittlicher Technologien (CRPT) hat angekündigt, dass die DataMatrix-Codes für Lagerbestände an Schuhen bis 1. März 2020 kostenlos vergeben werden. Danach kostet jeder Code 0,50 Rubel zuzüglich Mehrwertsteuer (rund 0,9 Eurocent, Wechselkurs am 5. Februar 2020: 1 Euro = 69,03 Rubel).

Welche Informationen muss der Antrag auf Codezuteilung enthalten?

Um DataMatrix-Codes vom Systembetreiber zu bekommen, ist nach erfolgreicher Registrierung ein Antrag bei Chestny ZNAK zu stellen. Dazu sind folgende Angaben erforderlich:

  • Steueridentifikationsnummer (INN) des Inverkehrbringers der Ware
  • Abschlussdatum des Vertrags mit dem Systembetreiber CRPT
  • Nummer des Vertrags mit dem Systembetreiber CRPT
  • Herstellungsart der Identifikationsmittel: selbstständig
  • Anzahl der benötigten DataMatrix-Codes
  • Beschreibung des Verfahrens, mit dem die Ware auf dem Gebiet der Russischen Föderation in Verkehr gebracht wird (zum Beispiel: Import; Produktion im Land; Ummarkierung; Ware von natürlichen Personen übernommen; ursprünglich nicht für den Handel vorgesehene Waren; Restbestand aus der Zeit vor der Kennzeichnungspflicht)
  • Angaben zur Ware:
    • GTIN (Warencode des zu markierenden Produkts)
    • Individuelle Seriennummer jeder Wareneinheit (wenn sie vom Inverkehrbringer selbst definiert wird)
    • Zolltarifnummer
    • Art des Kennzeichnungscodes: Einzelstück / Set / Serie
    • Art des Identifikationsmittels: „gedruckt“ / „angeklebt“ / „angehängt“
    • Art der Kennzeichnung: „Auf die Handelsverpackung“ / „Auf die Ware“ / „Auf das Warenetikett“

Innerhalb von vier Stunden nach Registrierung des Antrags werden die angeforderten Codes vom Systembetreiber erzeugt, im Monitoringsystem hinterlegt und eine Mitteilung an den Antragsteller versandt. Allerdings berichten Teilnehmer der Pilotprojekte, dass bei großen Mengen von über 100.000 angefragten Warencodes die IT-Systeme schnell überlastet sind.

Der Antragsteller muss diese Codes innerhalb von 60 Werktagen zur Warenidentifizierung nutzen. Ansonsten werden die Codes annulliert. Nicht verwendete Codes sind zu vernichten.

Können die übermittelten Daten geändert werden?

Nachträgliche Änderungen an den bereits ans System „Chestny ZNAK“ übermittelte Daten sind möglich. Diese können vom Inverkehrbringer sowohl vor dem Verkauf als auch nach der Abnahme durch den Endkunden an das Kennzeichnungssystem über ein spezielles Formular weitergegeben werden. Hierfür ist eine Frist von drei Werktagen nach Bekanntwerden der Änderung vorgesehen.

Wie muss die Kennzeichnung angebracht werden?

Der DataMatrix-Code muss auf jede Wareneinheit oder deren individuelle Verpackung aufgebracht werden. Das Etikett (Label) mit dem DataMatrix-Code sollte entweder auf der Einzelverpackung (Schuhkarton) als separates Etikett oder auf dem vorhandenen Warenetikett, einem Anhänger oder auf dem Produkt selbst angebracht werden. Alternativ darf der DataMatrix-Code auch auf Funketiketten (RFID) aufgebracht werden.

Nicht erlaubt ist es, den DataMatrix-Code direkt auf durchsichtige Verpackungen (zum Beispiel transparente Folien) zu drucken oder mit anderen Informationen zu verdecken.

Tipps für das Anbringen der DataMatrix-Codes:

  • Die DataMatrix-Codes sollten so befestigt sein, dass sie nicht ohne Weiteres abgetrennt werden können. Das Label muss mit der Ware oder deren Verpackung so fest verbunden sein, dass es beim Anprobieren der Schuhe durch den Kunden nicht abfallen oder abgerissen werden kann (auch an Online-Shopping denken!).
  • Es sollte unbedingt vermieden werden, dass Ware und DataMatrix-Code voneinander getrennt werden, weil dann ein neuer Code beantragt und angebracht werden muss, was kostenintensive Handarbeit bedeutet.
  • Ferner sollte der DataMatrix-Code so angebracht werden, dass bei Rabattaktionen keine Gefahr besteht, dass er vom Personal beim Preise durchstreichen und neu auszeichnen versehentlich unleserlich gemacht wird. Für den DataMatrix-Code muss genügend Platz auf dem Etikett vorgesehen werden!

Außerdem sind die Umverpackungskartons und die Palette oder Transportbox zu kennzeichnen. Der Code zur Identifizierung der Transportverpackung muss als Barcode dem russischen Standard GOST ISO-15394-2013 entsprechen.

Die gekennzeichnete Ware muss getrennt verpackt werden. Außerdem empfiehlt es sich, separate Handelsrechnungen und separate Zollerklärungen zu erstellen. Im Lkw müssen die kennzeichnungspflichtigen Waren erkennbar getrennt verladen werden (von anderen, nicht-kennzeichnungspflichtigen Waren), damit von den Beamten des russischen Zolls die Codes gescannt und überprüft werden können.

Welche Daten gibt der russische Zoll weiter?

Nach der Zollabfertigung müssen die Importeure an das Kennzeichnungssystem weitere Informationen zu den Waren übermitteln, unter anderem das Datum der Deklarierung und die Registriernummer der Zollerklärung.

Die Zollbehörden können auf Anfrage von „Chestny ZNAK“ die Ergebnisse des Zollverfahrens weitergeben. Dazu gehören Angaben zum Zollposten, zur Menge, zur Warenbezeichnung, zum Herkunftsland und zum Zollwert der deklarierten Produkte.

Was geschieht mit Retouren?

Wird das Produkt vom Kunden zurückgegeben (Retouren), muss der Händler nach Eintreffen im Lager den Systembetreiber CRPT informieren. Ist der DataMatrix-Code weiterhin lesbar, kann der Code reaktiviert werden. Ist der ursprüngliche DataMatrix-Code beschädigt, so kann eine Ummarkierung über das übliche Verfahren beantragt werden, bei dem ein neuer DataMatrix-Code angefordert wird. Dafür zuständig ist der neue Inverkehrbringer (meist der ursprüngliche Händler).

Der Händler muss dann das System mit folgenden Daten füttern:

  • Steueridentifikationsnummer (INN) des Händlers
  • Identifikationscode der Ware
  • Dokumente, die die Rückgabe und Erstattung der bezahlten Ware bestätigen
  • Konformitätszertifikat, falls das vorherige abgelaufen ist

Wird ein Produkt ohne Veräußerung an einen Endverbraucher aus dem Verkauf genommen (zum Beispiel durch Vernichtung), so muss der Händler den Systembetreiber CRPT innerhalb von drei Werktagen darüber informieren.

Was geschieht beim Verkauf nicht gekennzeichneter Schuhe?

Beim Verkauf nicht gekennzeichneter Schuhe nach Beginn der Kennzeichnungspflicht am 1. März 2020 drohen für den Inverkehrbringer Strafen von bis zu 300.000 Rubel (siehe auch: Strafen für den Vertrieb von Waren ohne Kennzeichnung in Russland)

Was passiert bei gefälschten DataMatrix-Codes?

Es ist damit zu rechnen, dass die Verbraucher künftig stärker auf die Echtheit von Produkten achten. Sie können direkt im Laden überprüfen, ob Waren echt und legal im Umlauf sind. Das geschieht über eine Smartphone-Anwendung (App) von „Chestny ZNAK“. Sie scannt den DataMatrix-Code und informiert über die Herkunft der Produkte. Die Software ermöglicht bei verdächtigen Waren eine Meldung an die Behörden.

Gefälschte oder kopierte Codes würden sofort auffallen, da die digitale Kennzeichnung eine Rückverfolgung vom Fließband bis zur Ladenkasse ermöglicht. Das System erkennt doppelt genutzte Codes und leitet Untersuchungen ein.

Softwarelösungen helfen bei der Abwicklung

Der deutsche Softwarekonzern SAP hat für Warengruppen, die in Russland einer Kennzeichnungspflicht unterliegen, die IT-Lösung SAP ATTP (Advanced Track & Trace) entwickelt. Sie ist kompatibel mit den üblichen Softwarepaketen für Inventarisierung, Lagerhaltung oder Wareneingang. Damit können Unternehmen ihre internen Datenbanken mit Seriennummern und Informationen über die Warenströme für die Datenübermittlung an Chestny ZNAK nutzen.

Auch Arvato Systems (Bertelsmann) stellt den internationalen Marktteilnehmern eine Track & Trace-Lösung bereit, die auf Basis von 17 nationalen Nachverfolgungssystemen und Kunden aus verschiedenen Geschäftsfeldern entwickelt wurde. Die Arvato CSDB Plattform unterstützt die betroffenen Unternehmen dabei, die notwendigen regulatorischen Anforderungen umzusetzen, um den Export in die Russische Föderation nachhaltig sicherzustellen. 

Ebenso hat der führende russische Anbieter von Buchhaltungssoftware, 1S (russisch: 1C), die Verfahren zur Kennzeichnung in seine Softwareprodukte integriert. Daneben bieten weitere internationale und russische Softwarefirmen ihre Dienste an.

Erste Logistikdienstleister bieten Komplettservice an

Erste Logistikdienstleister bieten bereits einen Komplettservice für die Etikettierung von Waren nach dem System „Chestny ZNAK“ an, darunter Best Logistics ITE und Rhenus Logistics. Bei Rhenus besteht die Möglichkeit, die Waren auf dem Weg nach Russland in Rhenus-Konsolidierungslagern in Europa (darunter in Litauen) oder im Zoll- und Logistikterminal von Rhenus in der Region Smolensk (nahe der russischen Grenze; direkt an der Autobahn M1) kennzeichnen zu lassen. Das TLT „Rhenus Terminal“ verfügt auch über eine Zolllagerlizenz, was bedeutet, dass die Mitarbeiter Waren – die noch nicht verzollt wurden = die noch nicht offiziell nach Russland importiert wurden – auspacken, umpacken und etikettieren dürfen. Ferner ist die IT-Abteilung des Logistikunternehmens bereit, die vollständige Integration in die internen Systeme des Kunden vorzunehmen, um den elektronischen Datenaustausch (Electronic Data Interchange – EDI) und die automatisierte Übertragung von DataMatrix-Codes zu organisieren.

Für weitere Logistikdienstleister, welche die Kennzeichnung (Etikettierung) von Waren für den russischen Markt anbieten, wenden Sie sich bitte an die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), Arbeitsgruppe „Zoll-, Transport- und Logistikfragen“, https://russland.ahk.de/netzwerk/komitees-arbeitsgruppen/zoll-transport-und-logistikfragen

Marktteilnehmer kritisieren praxisfernes Regelwerk

Auch wenn die Grundregeln der Kennzeichnungspflicht inzwischen feststehen, kritisieren Marktteilnehmer dennoch die vielen unklaren Details und widersprüchlichen Angaben der Betreiberfirma CRPT. Das betrifft beispielsweise die Codes für Sammelverpackungen mit mehreren Schuhkartons eines Modells. Diese sollen – entgegen ursprünglichen Aussagen – jetzt doch nur Schuhe ein und derselben Größe enthalten dürfen.

Das entspricht aber nicht den Bedürfnissen der Händler, die von einem Modell meist alle üblichen Größen bestellen, die in einer Großverpackung zusammengefasst sind. Würden diese Schuhkartons einzeln markiert und beim Ein- und Ausgang im Lager stückweise gescannt werden müssen, so könnte die Logistik ins Stocken geraten, glauben Experten.

Andere Marktteilnehmer berichten davon, dass der Systembetreiber die nötige Zahl an DataMatrix-Codes nicht immer zeitnah bereitstellt. Diese Erfahrungen hat beispielsweise der von deutschen Managern gegründete Onlineshop Lamoda gemacht. Das Portal gehört zu den größten Modehändlern in Russland. Die für Qualitätsmanagement zuständige Managerin Natalja Sutjagina erzählt, dass die Server von Chestny ZNAK bei großen Anfragen manchmal nicht reagieren. „Dann müssen wir die Markierung für längere Zeit unterbrechen.“ Grundsätzlich sei die Produktivität bei dem Systembetreiber aber gut.

Schuhbranche ist gut vorbereitet auf Kennzeichnungspflicht

Die großen Schuhhändler und -importeure, die in Russland tätig sind, haben sich inzwischen gut auf das neue Kennzeichnungssystem vorbereitet. Viele lassen die Waren direkt beim Hersteller kennzeichnen oder nutzen ein Zwischenlager im Ausland. Die Kennzeichnung muss auf jeden Fall vor der Zollkontrolle erfolgt sein!

Der Onlineshop Lamoda organisiert die Kennzeichnung seiner Produkte für den russischen Markt über ein Logistikzentrum im lettischen Riga. „Die Lieferanten schicken uns die Ware dorthin, informieren uns über die Artikel und übermitteln alle notwendigen Daten für die Code-Bestellung. Wir kümmern uns dann um die Markierung“, erklärt Qualitätsmanagerin Natalja Sutjagina. „Dabei ist es wichtig, dass wir die Informationen etwa eine Woche vor Ankunft der Ware bekommen.“

Laut Natalja Sutjagina lässt Lamoda die DataMatrix-Codes auf die Kartons auftragen, nicht auf die Schuhe selbst. Das sei praktikabler und besonders bei hochpreisigen Damenschuhen anders nicht möglich. „Immer mehr Lieferanten wollen die Kennzeichnung inzwischen auch selbst übernehmen“, berichtet die Branchenexpertin.

Die russische Tochtergesellschaft der Salamander GmbH lässt die Schuhmarkierung direkt durch den Hersteller oder im Zentrallager von Salamander durchführen. Dabei wird ein Aufkleber (Label) auf den Schuhkarton aufgebracht. Zu den Erfahrungen des Unternehmens mit der Codevergabe bei „Chestny ZNAK“ sagt Julij Kulikov, Generaldirektor von Salamander Russland: „Das System ist noch nicht ausgereift. Häufig kommt es zu längeren Pausen durch Systemaktualisierungen“. Trotzdem erwartet sein Unternehmen, dass ein Großteil der illegalen Ware vom Markt verschwindet. „Darin sehen wir einen Vorteil für die Schuhhandelsketten „, so Kulikov.

Die Hoffnungen auf eine Eindämmung gefälschter Schuhprodukte am Markt teilen jedoch nicht alle Hersteller. Die bevorzugten Vertriebswege für solche Produkte (wilde Märkte, Internet) seien trotz Kennzeichnungspflicht auch künftig schwer zu kontrollieren, meinen Kritiker.

Russischer Schuhmarkt hat großes Wachstumspotenzial

Im Jahr 2018 wurden in Russland 329 Millionen Paar Schuhe verkauft, berichtet die Discovery Research Group. Das entsprach einem Rückgang der Absatzmenge um 5,5 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Auf jeden Einwohner kamen somit 2,2 Paar neue Schuhe pro Jahr. Das wertmäßige Marktvolumen schrumpfte 2018 um drei Prozent auf 1,37 Billionen Rubel (18,6 Milliarden Euro). Etwa 45 Prozent der verkauften Schuhpaare waren Damenmodelle, 36 Prozent Herrenschuhe und 19 Prozent Kinderschuhe. 

Bis 2023 erwarten die Marktforscher einen Anstieg des Marktvolumens in Rubel um über ein Drittel. Die Pro-Kopf-Nachfrage könnte dann 2,9 Paar pro Jahr erreichen. Doch auch das entspräche erst der Hälfte des westeuropäischen Niveaus.

Russische Hersteller fertigten 2018 rund 120 Millionen Paar Schuhe. Führender Produktionscluster ist die Region Krasnodar. Beliebtester Verkaufskanal sind immer noch Fachgeschäfte, die mehrere Marken vertreiben (Multibrand Stores). Die größten Schuhhändler in Russland sind Kari (2018: 900 Filialen), Obuv Rossii (727), Junitschel (550), Belvest (308) und Respect (273).

Besonders bei Sport- und Laufschuhen (russisch: krossowki) ist der Anteil der Fälschungen hoch. Jedes dritte verkaufte Paar soll ein Imitat sein, ihr Umsatzvolumen bei weit über einer Milliarde Euro pro Jahr liegen, berichtete die Wirtschaftszeitung Kommersant. Dabei stehen die Verbraucher gefälschten Produkten durchaus offen gegenüber: Jeder vierte Konsument hat laut Umfragen kein Problem damit, Plagiate zu tragen, die in der Regel nur halb so teuer wie das Originalprodukt sind. 

Kennzeichnung von Schuhen in der Eurasischen Wirtschaftsunion

Der Rat der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) hat mit dem Beschluss Nr. 72 vom 8. August 2019 eine digitale Kennzeichnung für Schuhe eingeführt. Ein Verbot für das Inverkehrbringen nicht-gekennzeichneter Schuhe dürfen die EAWU-Mitgliedsländer – Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgisistan, Russland – jedoch nicht vor 1. März 2020 aussprechen. Mehr Informationen finden Sie im Artikel „Eurasische Wirtschaftsunion beschließt digitale Kennzeichnung von Schuhen“.

Kontaktanschriften

FachverbandAnsprechpartnerAdresse
Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie e.V.Torben Schütz
Referent
Statistik, Bildung, Digitalisierung
Bundesgeschäftsstelle Berlin
Reinhardtstraße 14, 10117 Berlin, T +49 30 72 62 20-31, t.schuetz@hdsl.eu, www.hdsl.eu
Federation of the European Sporting Goods Industry (FESI)House of Sports, Avenue des Arts 43, 1040 Brüssel, Belgien, T +32 27 62 86 48, info@fesi-sport.org, www.fesi-sport.org

Quelle: Germany Trade & Invest