Hauptseite Branchen Landwirtschaft Kasachstan plant Recyclinggebühr für importierte Landtechnik

Kasachstan plant Recyclinggebühr für importierte Landtechnik

Lokaler Maschinenbau ist aber unzureichend / Von Kathleen Beger

Bonn (GTAI) – Mit einer Recyclinggebühr für importierte Landtechnik will Kasachstan heimische Hersteller fördern und ausländische Produzenten zur Lokalisierung bewegen. Landwirte fürchten hohe Kosten.

Kasachstan möchte im August oder September 2019 eine Recyclinggebühr für importierte Landtechnik einführen. Auf Traktoren sollen 10 Prozent, auf Mähdrescher 8 Prozent des Verkaufspreises erhoben werden, wie kürzlich auf inbusiness.kz zu lesen war.

Die Recyclinggebühr ist eine von vielen Maßnahmen, mit denen die Regierung versucht, die Wirtschaft des Landes zu diversifizieren, um unabhängiger von Rohstoffexporten zu werden. Zum einen will sie damit Landwirte zu Neuanschaffungen aus heimischer Produktion anregen. Zum anderen hofft sie, in Zukunft auch Landmaschinen und -teile exportieren zu können.

Bis dahin ist aber noch ein weiter Weg, da lokale Landtechnik-Hersteller bisher nur in sehr geringen Mengen produzieren. Zwischen 2013 und 2017 sind die ohnehin geringen Ausfuhren von landwirtschaftlichen Maschinen und Zugmaschinen fast komplett weggebrochen. Im Jahr 2018 wuchsen sie zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder minimal.

Mehrere Memoranden zur Lokalisierung der Produktion

Mit ausländischen Herstellern, von denen Kasachstan Landtechnik bezieht, hat die Regierung bereits Memoranden zur Produktionslokalisierung vereinbart. Dadurch sollen 5.500 Arbeitsplätze geschaffen werden, wie Roman Skljar, Minister für Industrie und Entwicklung der Infrastruktur, gegenüber dem Fernsehsender Chabar äußerte.

Die Recyclinggebühr steht auch im Zusammenhang mit Beschlüssen der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU). Die fünf Mitgliedsstaaten – neben Kasachstan noch Russland, Belarus, Armenien und Kirgisistan – haben vereinbart, ihre Kooperation im Bereich der Landtechnik zu verstärken. Ziel ist es, die Importsubstitution voranzutreiben und die Lokalisierungsanforderungen zu erhöhen. Hierzu arbeitet die EAWU seit etwa zwei Jahren mit dem VDMA Landtechnik zusammen.

Kasachstan ist auf Import von Landtechnik angewiesen

Im Gegensatz zu Belarus und Russland blickt Kasachstan nicht auf eine langjährige Tradition im Maschinenbau zurück. Da es an Know-how fehlt, sind die heimischen Unternehmen auf internationale Kooperationen und importierte Landtechnik angewiesen. Der durchschnittliche Lokalisierungsgrad der kasachischen Hersteller liegt bei 30 bis 40 Prozent, sagte Dinara Schukishanowa, erste Vize-Präsidentin von Agromashholding, gegenüber informburo.kz.

Kasachische Unternehmen für Landtechnik

Unternehmen/ StandortProdukteAnmerkungen/Kontakt
TOO Kombainy sawod VECTOR / Gebiet Akmolinsk, Stadt Kokschetau Mähdrescher vom Typ VECTOR ooperation mit Rostselmash (Russland); Internet: http://kazrost.kz/partners/company-vector/; E-Mail: info@kazrost.kz, m.ruzov@kazrost.kz
TOO Don Mar / Gebiet Konstanai, Stadt Lisakowsk Mähmaschinen, SpritzgeräteInternet: http://www.donmar.kz/; E-Mail: info@donmar.kz, office@donmar.kz
TO SemAz / Gebiet Ostkasachstan, Stadt Semej Traktoren vom Typ BELARUSKooperation mit Minsker Traktorenwerk MTS (Belarus); Internet: http://www.semaz.kz/ru; E-Mail: semaz2006@mail.ru
AO Agromashholding KZ / Gebiet Kostanai, Stadt Kostanai Mähdrescher vom Typ ESSIL, Traktoren, Anhänger Kooperation mit Gomselmash (Belarus); im April 2019 wurde eine Kooperationsvereinbarung mit dem Sankt Petersburger Traktorenwerk (Kirowwerk, Russland) erzielt; E-Mail: kaptsova.lv@kost.amh.kz
TOO Avagro / Gebiet Nordkasachstan, Stadt Petropawl SpritzgeräteKooperation mit Lorch Schweißtechnik GmbH (Deutschland); Internet: http://avagro.kz/; E-Mail: info@avagro.kz, avagro.sko@mail.ru
TOO Kaik / Gebiet Akmolinsk, Stadt Kokschetau Traktoren, Anhänger, Auflieger, Ballenpressen, Sämaschinen, Spritzgeräte, PflügeKooperation mit Minsker Traktorenwerk MTS (Belarus); Internet: http://kaik.kz/; E-Mail: sales.kaik@virazh.kz
TOO Kaz Kioti / Gebiet Shambyl, Stadt Taras TraktorenKooperation mit Daedong Industrial Co LTD (Südkorea) und Gungor Tarim Sulama Makinalari San. Tic. A.S. (Türkei); Internet: https://kazkioti.kz/; E-Mail: info@kazkioti.kz, kazkioti@gmail.com

Im Jahr 2018 liefen beispielsweise bei SemAz 278 Traktoren vom Band, bei Agromashholding 235 Mähdrescher und bei Kombainy sawod VECTOR 125 Mähdrescher. Don Mar produzierte 2018 insgesamt 362 Mähmaschinen.

Riesiger Bedarf an neuer Landtechnik

Mehr als die Hälfte der in Kasachstan eingesetzten 140.000 Traktoren ist komplett verschlissen. Ähnliches gilt für die 40.000 Mähdrescher, von denen 50 Prozent älter als 15 Jahre sind. Die Erneuerungsrate liegt derzeit bei durchschnittlich 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr. Laut forbes.kz beträgt die weltweit empfohlene Erneuerungsrate bei Traktoren 10 Prozent, bei Mähdreschern 12,5 Prozent jährlich. Um diese zu erreichen, müssten kasachische Landwirte fast fünfmal so viele Traktoren und viermal so viele Mähdrescher wie bisher anschaffen

Recyclinggebühr könnte auch heimische Landtechnik verteuern

Die kasachische Unternehmervereinigung Atameken sieht die Recyclinggebühr kritisch. Sie ist überzeugt, dass mit ihr nicht nur die Preise für importierte, sondern auch für kasachische Landtechnik steigen werden. Schon in der Vergangenheit haben lokale Hersteller nachgezogen, nachdem sich mit der Abwertung des Tenge die Preise für importierte Teile erhöht hatten.

So verteuerte sich der Mähdrescher W660 von John Deere zwischen 2013 und 2017 um 112 Prozent: von 60 Millionen auf 132,7 Millionen Tenge (etwa 140.000 bzw. 310.000 Euro; 1 Euro = 428,8 Tenge; Stand: 29. Juli 2019). Der Preis für den Traktor BELARUS 82 stieg zwischen 2014 und 2017 von 3,1 Millionen auf 6,7 Millionen Tenge.

Intransparenz und Korruption bei Vergabe von Subventionen und Krediten

Laut Gesetzgebung können kasachische Landwirte staatliche Subventionen beanspruchen. Für die Anschaffung neuer Landtechnik sind Zuschüsse in Höhe von 25 Prozent der Ausgaben vorgesehen. Zudem stehen ihnen vergünstigte Kredite mit maximal 10 Prozent Zinsen und vorteilhafte Leasingmöglichkeiten zur Verfügung. In der Praxis missachten aber viele Beamte die offiziellen Vorgaben, erstatten den Landwirten deutlich weniger Geld oder verlangen viel zu hohe Kreditzinsen.

Die nationale Holding KazAgro, die sämtliche staatlichen Fördermittel für die Landwirtschaft verwaltet, sah sich zuletzt mit Intransparenz- und Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat deshalb angekündigt, KazAgro umstrukturieren zu wollen.

Agrarsektor steht vor enormen Herausforderungen

Kasachstans Landwirtschaft wird in Zukunft stärker als bisher auf moderne und hocheffiziente Technik angewiesen sein. Dafür sorgt nicht nur der marode Zustand der Maschinen, sondern auch der Klimawandel. Da die Temperaturen steigen und Dürreperioden länger anhalten, könnte die Getreideernte des Landes bis 2030 um 37 Prozent, bis 2050 sogar um 48 Prozent zurückgehen, wie die Weltbank in einer kürzlich veröffentlichten Studie prognostiziert hat.

Inwieweit Kasachstan in der Lage sein wird, die Herausforderungen zu bewältigen, hängt von der Politik des Staates ab. Sollte es ihm gelingen, faire Bedingungen zu schaffen und konkrete Lokalisierungsanforderungen zu formulieren, könnte das Land künftig auch für namhafte westliche Unternehmen als Produktionsstandort interessant werden.

Kontaktadressen

BezeichnungKontakt
Ministerium für Landwirtschaft der Republik Kasachstan 010000, Nur-Sultan, Kenesary Str. 36; T +7 7172 555-763, 555-840, 555-827, 555-783, 555-914; https://moa.gov.kz/en/index
Nationale Holding KazAgro010000, Nur-Sultan, Talgat Bigeldinov Str. 12; T +7 7172 70-56-20, 70-56-26, 70-56-20 in. 1453, 1455; https://www.kazagro.kz/en/holding;info@kazagro.kz
Kazakh Invest 010000, Nur-Sultan, Kunaev Str. 2; T +7 7172 620 620; F +7 7172 620 600; https://invest.gov.kz/;info@invest.gov.kz
Unternehmervereinigung Atameken 010000, Nur-Sultan, Kunaev Str. 8; T +7 7172 919 300, 919 393, 919 390; http://atameken.kz/en/;info@palata.kz

Quelle: Germany Trade & Invest