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Exporte der Eurasischen Wirtschaftsunion brechen ein

Bonn (GTAI) – Bei ihren Exporten schreibt die EAWU im 1. Halbjahr 2020 fast ausschließlich rote Zahlen. Einzig die Lebensmittelexporte sorgten für Positivmeldungen.

Von Verena Matschoß | Bonn

Ein stark gesunkener Ölpreis und das Nachfragetief in der Coronakrise schickten den Handel der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) ab April 2020 auf Talfahrt. Im gesamten 1. Halbjahr 2020 exportierten Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgisistan und Russland um ein Fünftel weniger Waren in Drittstaaten als im 1. Halbjahr 2019. Nach Deutschland sanken die Ausfuhren sogar um 39 Prozent und lagen bei 9 Milliarden US-Dollar (US$).

Die Importe der EAWU gingen im Vergleich nur gering zurück – um 7 Prozent. Aus Deutschland wurden Waren im Wert von 12 Milliarden US$ eingeführt, ein Minus von rund 6 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode.

Fast 60 Prozent der Exporte der EAWU in Länder außerhalb der Wirtschaftsunion entfallen auf mineralische Brennstoffe. Daher gilt: Sind die Weltmarktpreise für Öl und Gas niedrig, wirkt sich das auch stark auf die Exporterlöse aus. Ohne Energieträger und Rohstoffe war das Bild nicht ganz so düster: Hier gingen die Exporte in Drittstaaten nur um 9 Prozent auf 52 Milliarden US$ zurück. 

Für positive Nachrichten sorgten im 1. Halbjahr lediglich die Ausfuhren von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Rohprodukten, die um stattliche 17 Prozent stiegen. Und das, obwohl von Ende März bis Ende Juni ein Ausfuhrverbot für bestimmte Arten von Lebensmitteln in Länder außerhalb der EAWU galt. Dieses Verbot betraf unter anderem die Exporte von Hirse, Roggen und Buchweizen. 

Russland dominiert den Außenhandel

Die Abhängigkeit ist allerdings nicht nur bei der Warenstruktur sehr einseitig: Russland steht für über 80 Prozent der EAWU-Exporte in Drittstaaten. Leidet die russische Wirtschaft, so leidet die gesamte Wirtschaftsunion. Und Russland geht es wirtschaftlich gar nicht gut: Die Corona-Pandemie hat starke Auswirkungen auf den russischen Warenverkehr im Jahr 2020. Hinzu kommen der dramatische Ölpreisverfall zu Jahresbeginn und die global gesunkene Nachfrage nach Rohstoffen und Energieträgern.

Warenstruktur der EAWU-Exporte (in Millionen US-Dollar; Veränderung in Prozent)

1. Halbjahr 2020

Veränderung 1. Halbjahr 2020/1. Halbjahr 2019
Gesamt177.676,5-21,4
Mineralische Produkte105.665,2-31,3
Metalle, Metallerzeugnisse17.869,0-15,0
Lebensmittel und landwirtschaftliche Rohprodukte12.580,516,6
Chemische Erzeugnisse, Kautschuk11.271,6-14,8
Holz-, Papierwaren6.002,8-8,2
Maschinen und Anlagen, Fahrzeuge5.227,4-20,9
Textilien, Textilwaren, Schuhe482,5-11,6
Rohleder, Pelze und Erzeugnisse daraus63,3-36,5

Quelle: Eurasische Wirtschaftskommission

Gesunkener Ölpreis lastet auch auf dem Binnenhandel

Beim Binnenhandel war die Entwicklung weniger dramatisch, dieser sank im 1. Halbjahr 2020 um 14 Prozent. Den stärksten Einbruch bei seinen Exporten in die anderen Mitgliedstaaten hatte Kirgisistan mit einem Minus von 25 Prozent, gefolgt von Kasachstan (-19,7 Prozent), Armenien (-18 Prozent), Russland (-16 Prozent) und Belarus (-6,1 Prozent). 

Ähnlich wie beim Handel mit Drittstaaten war für den Rückgang vor allem der gesunkene Ölpreis verantwortlich. Mineralische Produkte standen im 1. Halbjahr 2020 für ein Fünftel des Binnenhandels. Insgesamt ging der Handel mit mineralischen Produkten in der EAWU um über ein Drittel zurück.

Warenstruktur des EAWU-Binnenhandels (in Millionen US-Dollar; Veränderung in Prozent)
1. Halbjahr 2020
Veränderung 1. Halbjahr 2020/1. Halbjahr 2019
Gesamt24.519,7-14,1
Maschinen und Anlagen, Fahrzeuge4.921,2-12,6
Mineralische Produkte4.888,7-34,5
Lebensmittel und landwirtschaftliche Rohprodukte4.619,73,7
Chemische Erzeugnisse3.331,8-5,8
Metalle, Metallerzeugnisse3.118,0-17,2
Textilien, Textilwaren, Schuhe967,7-7,7
Holz-, Papierwaren726,7-7,1
Rohleder, Pelze und Erzeugnisse daraus50,0-8,9

Quelle: Eurasische Wirtschaftskommission

Lichtblick Agrarprodukte

Aber es gab nicht nur Negativmeldungen: Die Exporte von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Rohprodukten innerhalb der EAWU legten um knapp 4 Prozent zu. Wie bei den Exporten in Drittstaaten zeigt sich auch beim Binnenhandel, dass der Agrarsektor nicht so stark von der Coronakrise betroffen war. Der Handel mit Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Rohprodukten stand im 1. Halbjahr 2020 für etwa ein Fünftel des Binnenhandels. 

Wirtschaftsentwicklung in Russland entscheidend

Auch beim Binnenhandel ist Russland der Treiber und steht für über 60 Prozent des Binnenhandels der Wirtschaftsunion. Die weitere Entwicklung des Handels hängt also zu großen Teilen davon ab, wie schnell sich Russland von der Coronakrise und dem Ölpreistief erholt. 

Quelle: Germany Trade & Invest