Hauptseite Wirtschaft Digitale Plattform erleichtert grenzübergreifende Arbeitssuche in der EAWU

Digitale Plattform erleichtert grenzübergreifende Arbeitssuche in der EAWU

Bonn (GTAI) – Der gemeinsame Arbeitsmarkt in der Eurasischen Wirtschaftsunion nimmt immer mehr Gestalt an. Am 1. Juli 2021 ging das Projekt „Arbeit ohne Grenzen“ online, eine Datenbank, die offene Stellen und Bewerber im gesamten Unionsterritorium listet. / von Viktor Ebel

Grundlage sind die fünf nationalen Systeme, die bereits Informationen über Stellen und Bewerber enthalten. Auf Initiative Russlands wurde Anfang 2019 eine gemeinsame Plattform ins Gespräch gebracht, die dann durch den Beschluss Nr. 89 der Eurasischen Wirtschaftskommission vom 9. September 2019 beschlossen wurde. Die Idee war, die Datenbanken der einzelnen Länder über eine einheitliche Suchschnittstelle miteinander zu verknüpfen. Damit ist einerseits der notwendige Zugang zu Informationen gewährt, andererseits werden die Gesetze zum Schutz personenbezogener Daten eingehalten, da es keine grenzüberschreitende Übermittlung und Speicherung von Informationen gibt.

Registrierte Arbeitslose in der EAWU und den Mitgliedsländern (Stand Ende Mai 2021)

  Arbeitslose (in Tausend) Veränderung zum Vorjahresmonat Mai 2020 (in Prozent) Veränderung zum Vormonat April 2021 (in Prozent)
EAWU 1728,8 -29,5 -9,3
Armenien 62 +2,0 -0,8
Belarus 8,5 -16,9 -2,8
Kasachstan 222,7 +38,1 +3,6
Kirgisistan 80,6 +3,5 +0,8
Russland 1355,0 -36,8 -12,0

Quelle: Statistikamt der Eurasischen Wirtschaftskommission

Mobilität im Arbeitsmarkt unterstützt wirtschaftliche Erholung

Während dem Krisenjahr 2020 wurde das System erfolgreich getestet, so der Minister für Informations- und Kommunikationstechnologie Gegham Vardanyan. „Alle organisatorischen Maßnahmen wurden durchgeführt, eine große Anzahl von regulatorischen und rechtlichen Dokumenten der Unionsländer im Bereich des Arbeitsrechts wurde analysiert, Standardsoftware wurde erstellt, Integrationsarbeiten wurden in allen fünf Ländern der Union durchgeführt, alle Arten von Tests und der Probebetrieb des Systems unter Beteiligung aller nationalen Komponenten wurde durchgeführt.“

Laut dem stellvertretenden Minister für wirtschaftliche Entwicklung Russlands, Dmitry Volvach, geht das Projekt nun zum richtigen Zeitpunkt an den Start: „Die schrittweise Erholung der EAWU-Länder von den Folgen der Pandemie wird sicherlich die Einbindung von qualifiziertem Personal in vielversprechenden Wirtschaftssektoren erfordern. Die Einführung eines gemeinsamen digitalen Produkts zur Suche nach offenen Stellen und Lebensläufen von Kandidaten kann die Mobilität der erwerbstätigen Bevölkerung der EAWU erhöhen und den Arbeitsmarkt ausgleichen“.

Vermittlung von Arbeitssuchenden durch nationale Arbeitsagenturen (im Mai 2021)

  Vermittelte Arbeitssuchende (in Tausend) Anteil von zur Arbeitssuche gemeldeten Personen (in Prozent) Veränderung zum Vorjahresmonat Mai 2020 (in Prozent) Veränderung zum Vormonat April 2021 (in Prozent)
EAWU 235,9 10,4 +63,9 -15,5
Armenien 0,8 0,9 +34,5 +40,9
Belarus 8,0 53,3 -3,3 -8,4
Kasachstan 38,8 13,5 -34,0 -12,7
Kirgisistan 0,8 0,8 +118,2 -0,5
Russland 187,5 10,6 +146,9 -16,5

Quelle: Statistikamt der Eurasischen Wirtschaftskommission

Besonders die kleineren Länder profitieren

Die Eurasische Wirtschaftskommission und ihre nationalen Partner stellen damit einmal mehr unter Beweis, dass sie gewillt sind die Lebensqualität der Arbeitnehmer in der Union schnell zu verbessern. Im Januar 2021 erst trat die Pensionsvereinbarung in Kraft, welche die Übernahme von Rentenansprüche im Falle eines Umzugs oder einer temporären Beschäftigung in einem anderen Mitgliedlands regelt. Am 30. März 2021 wurde dann das Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Hochschulabschlüssen verabschiedet, welches sich nun zur Koordinierung bei den Ländern befindet.

Eine besondere Bedeutung haben diese Fortschritte für die kleineren Mitgliedsländer Kirgisistan und Armenien, die traditionell viele Arbeitsmigranten nach Russland entsenden. Ihre Wirtschaft ist maßgeblich auf die Rücküberweisungen angewiesen, die 23 Prozent (Kirgisistan) bzw. 8 Prozent (Armenien) des BIP ausmachen. Die Arbeitnehmerrechte dieser oft unter prekären Bedingungen arbeitenden Gruppe sollen durch den Einsatz digitaler Technologien nun auch besser geschützt werden, verkündet die Eurasische Wirtschaftskommission.

Anzahl freier Arbeitsstellen in den Mitgliedsländern der EAWU (Stand Ende Mai 2021)

  Freie Arbeitsstellen (in Tausend) Veränderung zum Vorjahresmonat Mai 2020 (in Prozent) Veränderung zum Vormonat April 2021 (in Prozent) Anzahl Arbeitsloser pro 100 freie Stellen
Armenien 1,9 -36,4 +10,0 4700
Belarus 84,7 +18,1 +6,7 20
Kasachstan kA kA kA kA
Kirgisistan 3,4 +52,5 +7,4 3042
Russland 2111,5 +52,5 +9,8 75

Quelle: Statistikamt der Eurasischen Wirtschaftskommission

Quelle: Germany Trade & Invest